Welches Spiel wird eigentlich gespielt
Wer zum Schachspielen Würfel mitbringt oder auf dem Schachbrett Halma spielen will, wird wenig Freude und Erfolg haben.
Die "normale Form" der Diskussion im politischen Raum und anderswo ist: eine Meinung haben, Recht haben (wollen), mit anderen Wirklichkeit reflektieren und über Wahrnehmungen, Bewertungen etc streiten und dann Konsens oder Kompromiss suchen oder schlimmstenfalls "agree to disagree".
Natürlich kann man das mit unterschiedlicher Attitüde tun: als ein ehrlicher Dialog auf der Suche nach gemeinsamen Ergebnissen, als ein Schaukampf, den man einfach nur "gewinnen" oder zur Außendarstellung nutzen will (ohne die eigene Meinung wirklich in Frage stellen zu wollen) oder auch als Schattenkämpfe in denen man nicht sagt was man denkt sondern was das aktuelle Publikum hören will (im Wahlkampf zB).
Aber Populisten der aktuellen Rechts-Kohorte in Deutschland und anderswo spielen ein ganz anderes Spiel: es werden zwar Worte gesprochen und geschrieben, aber es geht oft eben nicht um Meinungen, Recht haben, überzeugen oder gar um dazulernen. Sondern um ein Machtspiel: Populisten wollen die Macht,
- zu sagen und zu tun, was sie wollen, ohne auch nur zu diskutieren ob es wahr, richtig, sinnvoll, legal oder nützlich ist.
- und morgen das Gegenteil davon zu sagen und zu tun, ohne darauf angesprochen oder dafür verantwortlich gemacht zu werden.
- Gleichzeitig wollen sie (und nehmen sich, sobald sie können) die Macht, anderen das Wort zu verbieten.
Sie können sich völlig problemlos gleichzeitig als Opfer inszenieren (von sog. "Zensur" und Diskriminierung, selbst wenn eben nicht zensiert wird, sondern nur kein Forum gewährt, über sie berichtet oder gar ihre Aussagen kritisiert oder mit gegensätzlichen Aussagen der gleichen Leute zum gleichen Thema gegenübergestellt werden), und Täter sein, die formlos mit Drohungen und Mobbing, sobald technisch möglich (egal ob erlaubt oder nicht) auch formal mit juristischen Mitteln, politischem Druck etc unliebsame Äuserungen marginalisieren und unterdrücken.
Im Umgang damit gibt es verschiedene Ansätze:
- argumentieren "wer recht hat" - ist der natürliche Reflex jeder/s politisch interessierten, aber im Dialog überhaupt nicht zielführend und Verschwendung von Zeit und Energie (außer man hat Zuhörer:innen die eben doch lernen wollen, dann muss man sich aber bewusst sein dass mehrere Gesprächsebenen gleichzeitig laufen)
- Machtspiel mitspielen - das hieße: weghören und eben keine Zeit investieren um aufmerksam zuzuhören, zu verstehen, zu bewerten etc (das wäre das Würfeln beim Schach spielen) sondern Hausrecht ausüben und der AfD das Forum entziehen, falls es im Kleinen, Privaten oder gewerblichen Raum ist, AfD verbieten im Allgemeinen etc (egal ob dann wegen Zensur oder Intoleranz gejammert wird)
- Richtig spannend wäre: wie soll sich die Mehrheit verhalten, wenn sie das Machtspiel nicht mitspielen will (weil sie es nicht wahrhaben will oder bewusst nicht auf die Machtebene gehen will).
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